Ein letztes Statement
Recht unbemerkt ging heuer die „SZENE WIEN NEU“ also in ihre zweite Saison. Es herrscht „business as usual“ in Simmering. Wenn neben den obligaten Bandwettbewerben, diversen prominenten und weniger prominenten KabarettistInnen das Team von Josef Sopper, der das Haus im Juli 2008 mit dem Gasometer in sein Imperium eingemeinden durfte, den einen oder anderen künstlerisch tatsächlich interessanten Act in die Hauffgasse 26 bringt, überrascht das ob der Fülle des Angebots an tourenden Bands im Jahr 2009 niemanden wirklich.
So wie auch niemand wirklich überrascht war, als die „SZENE WIEN NEU“ in den Gatsch griff, als sie sich beim Frauentag inhaltlich profilieren wollte oder ein vollmundig angekündigtes Dialektfestival aus VeranstalterInnenunfähigkeit gleich einen Tag weniger über die Bühne ging, samt Gagenkürzung für die gebuchten KünstlerInnen. Kein Hahn kräht dannach, dass die liebgewonnene Praxis aus dem seligen Planet Music - Support-Bands eine lächerliche „Gage“ zu bezahlen, mit dem Angebot diese durch Ticketverkauf (!!!) aufzufetten - in der „SZENE WIEN NEU“ (ein öffentlich subventioniertes Haus, selbstverständlich!) fröhliche Urständ´ feiert.
Dass die bei der Übernahme noch beflissen versprochene „World Music“ heute in Wien definitiv woanders spielt (mangels veranstalterischer Credibility?!?) wissen wenigstens die immer mehr werdenden Fans dieser kreativ wie qualitativ beinahe explodierenden Spielart internationaler Musikkultur, während sich SPÖ-Landtagsabgeordneter und Gemeinderat Peko Baxant (der die Übernahme der SZENE WIEN durch Sopper im Gemeinderat brav parteisoldatisch verteidigte) sehr darüber freut, dass die englischen Alt-Rocker Uriah Heep (die in Baxant´s Geburtsjahr ihr zehntes Album „Firefly“ veröffentlichten) im 11. Bezirk immer eine warme Bühne und eine sicher okaye Gage finden (ob sie auch Karten an ihre FreundInnen verkaufen müssen?).
Nichts gegen die ehrenwerten Schöpfer von „Lady in Black“ (Uriah Heep können gar nicht Maria Fekter gemeint haben!), aber viel gegen die Wiener SPÖ, die mit der Geschichte um die Übernahme der SZENE WIEN durch Josef Sopper gerade im Rückblick einen ihrer vielen, vielen Böcke geschossen hat. Das ausgerechnet das rote Wien einer Kultur, deren oberstes (einziges?) Gebot Auslastung ist und einem Veranstaltungswesen, das ZuschauerInnen zu QuotenbringerInnen umdeutet, das Wort redet ist schon ein Armutszeichen. Gerade in der Kulturpolitik scheint die Wiener SPÖ so sehr damit beschäftigt sich über „was“ und „wie“ (eh schon sehr widerwillig) die Köpfe zu zerbrechen, dass das „warum“ und „wozu“ wie in so vielen anderen Belangen auf eine endlos lange Bank geschoben werden.
Wahrscheinlich gelingt es Josef Sopper so der Wiener SPÖ gar einen „griechischen Abend“ im Garten der Szene Wien – genau, mit Ouzo und Souvlaki! – als profunden kulturellen Beitrag zur innereuropäischen Völkerverständigung zu verkaufen … Warum nicht doch ein kleiner Michael Jackson Tribute – in Simmering?
Tatsächlich haben 3724 Menschen auf www.szenebleibt.at unterschrieben, dass sie – vergeblich – fordern, dass das Team der SZENE WIEN seine Arbeit fortsetzen darf und ebenso vergeblich, dass die Verantwortlichen die Bestellung Josef Sopper´s überdenken sollen. 3724 Menschen, denen die Wiener SPÖ bis heute eine befriedigendere Antwort als die wie immer motivierte gegebene schuldig ist. 3724 Menschen, denen die Wiener SPÖ dringend ein Angebot schuldig ist, denn der Stadt Wien fehlt zum kulturellen Spektrum, das eine zeitgemäße europäische Kulturstadt des Jahres 2009 ausmacht mehr als nur ein Haus – die „SZENE WIEN NEU“ füllt diese Lücke keinesfalls.
1.11.2009
Rainer Krispel
für das szenebleibt-Team
